EZB-Präsidentin Christine Lagarde schließt einen vorzeitigen Rückzug von der Spitze der Europäischen Zentralbank nicht mehr aus. Zwar betonte sie im Interview mit der französischen Zeitung „Les Echos”, dass ihre Amtszeit bis Oktober 2027 laufe und sie die Preisstabilität gewährleisten wolle – doch dann folgte der bemerkenswerte Nachsatz.
Auf die Frage, ob sie sich bei einer Beruhigung der Lage einen vorzeitigen Rückzug vorstellen könne, um sich 2027 in den französischen Präsidentschaftswahlkampf einzubringen, sagte Lagarde: „Das ist möglich. Ich bin überzeugt, dass in der französischen Präsidentschaftsdebatte eine europäische Stimme gehört werden muss.”
Vorerst gibt sie sich standhaft: „Angesichts der Tatsache, dass wir erneut eine turbulente Phase durchleben, bin ich der Meinung, dass der Kapitän des EZB-Schiffs an Bord bleiben muss”, so Lagarde. Brisant: Noch im Februar hatte sie Rücktrittsgerüchte entschieden zurückgewiesen. Die „Financial Times” hatte zuvor berichtet, Lagarde wolle ihr Amt vorzeitig niederlegen, um dem scheidenden französischen Präsidenten Emmanuel Macron ein Mitspracherecht bei ihrer Nachfolge zu sichern. Im Frühjahr 2027 wählt Frankreich einen neuen Präsidenten – Macrons Amtszeit endet.
„Nicht um ein harmloses Payment-Update"
In Frankfurt hinterlässt Lagarde eine höchst umstrittene Baustelle: den digitalen Euro. Ab 2029 soll die
Digitaler Euro Droht Ab 2029 Das Ende Der Finanziellen Freiheit
für Bürger und Unternehmen nutzbar sein, erste Pilotprojekte könnten bereits 2027 starten – die EZB rechnet bis dahin mit Investitionen von rund 1,3 Milliarden Euro, dazu kommen jährliche Betriebskosten von 320 Millionen Euro. Kritiker warnen seit Jahren vor Überwachung und einem schleichenden Ende des Bargelds – exxpress hat mehrfach berichtet. Ökonom Hanno Lorenz von der Agenda Austria etwa warnt: „Es handelt sich dabei nicht um ein harmloses Payment-Update, sondern um ein staatliches Zahlungssystem”. FPÖ-Währungssprecher Alexander Petschnig sprach gar von einem drohenden „totalitären Albtraum aus Überwachung, Kontrolle und finanzieller Enteignung”.
Der Rückhalt in der Bevölkerung fehlt:
Ezb Draengt Auf Digitalen Euro Fpoe Schlaegt Alarm
der Österreichischen Gesellschaft für Europapolitik befürworteten nur zwölf Prozent der Österreicher die Einführung eines digitalen Euros.
Verurteilt, aber straffrei: Die Altlasten der Christine Lagarde
Umstritten war die Französin freilich schon vor ihrem Antritt in Frankfurt. 2016 sprach sie der französische Gerichtshof der Republik in der Tapie-Affäre der Fahrlässigkeit im Amt schuldig – als Wirtschaftsministerin hatte sie eine Millionenzahlung von mehr als 400 Millionen Euro Staatsgeld an den Geschäftsmann Bernard Tapie durchgewinkt. Eine Strafe verhängte das Gericht nicht – Kritiker sprachen damals von einem Freibrief für die Mächtigen.
Auch ihre geldpolitische Bilanz fällt ernüchternd aus: Die „Neue Zürcher Zeitung” attestierte Lagarde zuletzt, auf den Inflationsanstieg ab Mitte 2021 viel zu spät reagiert und die Teuerung mit expansiver Politik sogar noch angeheizt zu haben – die Inflationsrate kletterte in der Spitze auf 10,6 Prozent, in manchen Euro-Ländern auf über 20 Prozent. Die Zeche zahlten die Bürger über ihre schwindende Kaufkraft.
Ob der „Kapitän” das EZB-Schiff nun doch vorzeitig verlässt, um in Paris Wahlkampf zu machen? Für die Sparer in der Eurozone dürfte sich die spannendere Frage stellen, wer danach ans Ruder kommt – und ob der Kurs beim digitalen Euro korrigiert wird.

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