Guardian entdeckt Ursache der Iran-Proteste – Spoiler: die Klimakrise!
Inflation, Korruption, Repression, Kriege, Sanktionen: Die Liste der Krisen im Iran ist lang – und sie bringt die Massen auf die Straße. Doch der Guardian sieht die „tieferliegende Wurzel“ woanders: in der Klimakrise. Die unterschwellige Botschaft an uns: Wir „Klimasünder“ sind mitschuld – mit CO₂ bringen wir ganze Staaten ins Wanken.
Nicht Chamenei, nicht das Regime: Laut neuer Lesart ist die Klimakrise der Übeltäter.GETTYIMAGES/Office of the Supreme Leader of Iran/Pixabay
James Meadway ist britischer Ökonom und Podcast-Moderator. In einer Analyse für die britische Tageszeitung Guardian widmet er sich der Wasserknappheit und den Unruhen im Iran. Korruption taucht bei ihm als mögliche Erklärung nur am Rande auf, westliche Sanktionen werden öfters erwähnt – die systematische Unterdrückung durch ein repressives islamistisches Regime hingegen kommt gar nicht vor.
Denn all das ist letztlich nebensächlich. Die eigentliche Ursache liegt für Meadway woanders. „Versorgungsausfälle sind ein dramatisches Beispiel dafür, wie die Klimakrise grundlegende menschliche Bedürfnisse bedroht – und damit auch die politische Stabilität“, analysiert er.
Die Klimakrise als universelle Erklärung
Mit anderen Worten: Die Unruhen im Iran sind für den Guardian nur ein weiteres Beispiel für die allgegenwärtige Klimakrise – jenen universellen Sündenbock, der mittlerweile für nahezu alles herhalten muss.
So sieht es auch Meadway selbst: „Für den Iran deuten die Belege stark darauf hin, dass der Klimazusammenbruch die tieferliegende Ursache der Wasserknappheit ist.“
Many were telling me that after the killings and massacres not many people will dare to protest.
— Zineb Riboua (@zriboua) January 11, 2026
But what everyone seems to forget is that the political and economic situation is so bad in Iran that there is literally nothing to lose anymore.pic.twitter.com/qFM67aXFfJ
Als Beleg verweist er auf steigende Durchschnittstemperaturen in iranischen Städten zwischen 1990 und 2022. Politische Entscheidungen, jahrzehntelanges Missmanagement und darüber teure, aber erfolglose Investitionen in Syrien und im Libanon – offenbar unbedeutend.
Schonung für das Mullah-Regime
Vor diesem Hintergrund fällt auch Meadways Bewertung der Verantwortung bemerkenswert milde aus. Scharfe Vorwürfe gegen das Mullah-Regime bleiben aus. Stattdessen heißt es: „In einer Welt ohne Klimazusammenbruch hätte Irans jahrzehntelanges Wassermissmanagement vielleicht nicht so gravierend gewirkt. Doch in Kombination mit den zermürbenden Auswirkungen der Sanktionen ist das gesamte System in eine möglicherweise finale Krise gekippt. Wir müssen mit mehr solcher klimabedingten Unruhen rechnen.“
Das Regime erscheint damit weniger als Verursacher – sondern eher als Opfer globaler Umstände und westlicher CO₂-Sünder.
Die Botschaft an den Westen
Die Konsequenz dieser Lesart ist eindeutig – und sie richtet sich nicht an Teheran, sondern an uns. Die Lösung liegt demnach im Westen: weniger CO₂, weniger Sanktionen – und schon stabilisieren sich Staaten wie der Iran wieder.
Oder zugespitzt formuliert: Nicht Korruption, nicht Unterdrückung, nicht Islamismus – sondern unser Lebensstil ist schuld.
Klimakrise als Ausrede-Formel – selbst für Massaker an Christen
Mit dem Klimawandel als Erklärungsschablone steht der Guardian nicht allein da – im öffentlich-rechtlichen Milieu ist er in bester Gesellschaft. So deutete ZDFheute Massaker an Christen in Nigeria ausdrücklich weg vom Religiösen und hin zum Klima-Frame: „In Nigeria wird die Gewalt oft als religiös motiviert dargestellt – doch seit Jahren warnen Experten, dass der Klimawandel Ressourcenkonflikte verschärft.“
Und: „Der Klimawandel trägt laut Experten dazu bei, dass die Lebensgrundlagen vieler Gemeinschaften verloren gehen – und Konflikte wie in Nigeria zusätzlich an Schärfe gewinnen.“
Kirchliche Stimmen widersprachen scharf. Nigerias Bischof Wilfred Chikpa Anagbe fragte im America Magazine sinngemäß, wie man „Klimawandel oder wirtschaftliche Ungleichheit“ als Erklärung heranziehen könne, wenn Menschen „abgeschlachtet“ würden – seine Diagnose: „Islamischer Dschihad“.
Auch die Kommission der katholischen Bischofskonferenzen der EU sprach von „islamischen Extremisten, darunter Dschihadisten“ und betonte, Christen würden gezielt angegriffen. Die Erzählung der „notleidenden“ Terroristen wurde ebenfalls entschieden zurückgewiesen. Das America Magazine verweist etwa auf die schweren Waffen der Angreifer – darunter AK-47.
Wenn der WDR dem Klimawandel die Schuld für Freibad-Gewalt gibt
Auch jenseits internationaler Konflikte wird in deutschen Medien der Klimawandel immer öfter als Gewaltfaktor ins Spiel gebracht – selbst bei Prügeleien in Berliner Freibädern. In einem Beitrag des WDR-Formats Planet Wissen stellte der Sender den Zusammenhang in den Raum, wonach extreme Hitze und die Folgen des Klimawandels mit höherem Aggressionspotenzial einhergehen könnten. Zur Illustration wurden Szenen massiver Ausschreitungen gezeigt: dicht gedrängte Badegäste, Streit, Eskalation.
Kritiker sahen darin eine Überinterpretation. Ein CDU-Bundestagsabgeordneter nannte es gegenüber der Bild „völliger Quatsch“ – der WDR verschleiere damit andere Ursachen sozialen und kulturellen Ursprungs. Andere Berichte verwiesen zudem auf Tatbeteiligte mit Migrationshintergrund – und darauf, dass nach den Krawallen auch eine Integrationsdebatte losgetreten wurde.
Kurz gesagt: Wenn es kracht, ist es am Ende wieder das Klima.
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