Lena Schilling auf EU-Transparenzliste: Nebenverdienst nicht offengelegt
Schon wieder Wirbel um Lena Schilling. Laut Transparency International steht die grüne EU-Abgeordnete auf der Liste jener 14 Mandatare, die Nebeneinkünfte zwar meldeten – aber ohne die Summe zu nennen. Das widerspricht dem schriftlich festgehaltenen Verhaltenskodex des Europäischen Parlaments.
Lena Schilling steht laut Politico auf der EU-Transparenzliste wegen nicht bezifferter Nebeneinkünfte.APA/MAX SLOVENCIK
Schon wieder! Lena Schilling sorgt neuerlich für Schlagzeilen. Ein Bericht des Polit-Magazins Politico bringt sie und 13 weitere EU-Abgeordnete in Erklärungsnot: Die Mandatare sollen ihre Nebeneinkünfte zwar gemeldet haben – ohne sie zu beziffern. Grundlage sind Daten von Transparency International. Der Vorwurf: unvollständige Angaben trotz eindeutiger Regeln.
Klare Regeln – fehlende Beträge
Der Verhaltenskodex des EU-Parlaments ist eindeutig: Wer außerhalb des Mandats mehr als 5.000 Euro pro Jahr verdient, muss konkrete Beträge und – falls relevant – den Zahlungsrhythmus angeben. Laut Transparency International fehlt diese Bezifferung bei 14 von 720 Abgeordneten.
Die Anti-Korruptions-Organisation kritisiert mangelnde Kontrolle und fehlende Sanktionen. Bürger müssten sich de facto auf Selbstauskünfte verlassen.
Zur Erinnerung: EU-Abgeordnete erhalten bereits rund 8.088 Euro netto pro Monat – finanziert aus Steuermitteln.
Buch-Einnahmen als Auslöser bei Schilling
Im Fall Schilling geht es laut Bericht um Einnahmen aus einem 2024 veröffentlichten Buch. Die Tätigkeit wurde gemeldet – die Höhe zunächst nicht. Damit landete sie auf der Transparenz-Liste. Erst nach Medienanfrage wurden zusätzliche Angaben und eine Aufschlüsselung nachgereicht.
Weitere Fälle: Influencer, Berater, Missverständnisse
Neben Schilling nennt der Bericht weitere Mandatare – quer durch mehrere Fraktionen, darunter:
Alvise Pérez (Spanien, parteilos/rechtsaußen): Er gab seine bezahlte Influencer-Tätigkeit an, ließ den Betrag aber offen – obwohl Unterlagen laut Bericht nahelegen, dass er vor der Wahl teils bis zu 20.000 Euro pro Monat verdient haben soll.
Mario Mantovani (Italien, Fratelli d’Italia): Er meldete mehrere Beratungs- bzw. Consulting-Rollen neben dem Mandat, bezifferte die Einkünfte jedoch nicht. Laut Recherchen sollen es vor Beginn der aktuellen Legislatur teils sechsstellige Jahresbeträge gewesen sein.
Michał Wawrykiewicz (Polen, EVP): Der Jurist argumentiert mit einem Missverständnis: Weil er seine Einkünfte bereits im polnischen Parlament deklariert habe, habe er fälschlich angenommen, das genüge – er spricht von einem Versehen, nicht von Absicht.
Domenico Lucano (Italien, Die Linke): Er führte eine Tätigkeit im Umfeld einer Filmproduktionsfirma an, reagierte laut Bericht aber nicht auf die Bitte um Stellungnahme bzw. Präzisierung der Einnahmen.
Zeitgleich: EU-Spitzengehälter stiegen kräftig
Mitten in der Transparenz-Debatte wirkt es wie Hohn: Schon vor einem Jahr gab es in Brüssel den nächsten großen Gehaltssprung. Im April 2025 kassierte die EU-Spitze bereits die siebte Gehaltserhöhung seit 2022 – möglich gemacht durch Sonderregeln und automatische Inflationsanpassungen, teils sogar mehrfach pro Jahr.
Dauer-Wirbel um Schilling
Der aktuelle Transparenzfall ist nicht die erste Schilling-Causa. Im vergangenen Jahr ging ein Video viral, in dem die Grünen-Politikerin nicht sagen konnte, wie viel Cent 20 Euro sind – nämlich 2.000. Die Szene sorgte für Häme und Ärger – auch, weil Schilling in Brüssel ein hoch dotiertes Mandat ausübt.
Schillings Büro reagierte nun auf den Politico-Bericht und erklärte, die Buch-Einnahmen hätten unter 5.000 Euro gelegen – daher habe keine Pflicht zur Bezifferung bestanden. Der Registereintrag werde dennoch aktualisiert.
Politisch bleibt es trotzdem unangenehm: Ausgerechnet beim Thema Transparenz steht nun eine der bekanntesten grünen EU-Abgeordneten auf einer Brüsseler Prüfliste.
Kommentare