Die wirtschaftsliberale Denkfabrik Agenda Austria hat die Zahlen aufbereitet und stellt die entscheidende Frage dahinter: Wer bezahlt das – und wer profitiert? Denn die Statistik erfasst zwar die Staatsangehörigkeit der Studienanfänger, sagt aber nichts darüber aus, wie viele der internationalen Studierenden nach ihrem Abschluss überhaupt in Österreich bleiben und hier arbeiten.

Ein Medizin-Studienplatz kostet den Steuerzahler rund 60.000 Euro pro Jahr, in den Geistes- und Sozialwissenschaften sind es 5.000 bis 10.000 Euro. Bleiben die Absolventen nach dem Abschluss nicht im Land, zieht Österreich daraus auch keinen volkswirtschaftlichen Nutzen. Agenda-Ökonomin Carmen Treml bringt deshalb eine moderate Studiengebühr nach FH-Vorbild ins Spiel – 363,36 Euro pro Semester, für In- wie Ausländer.

Zahl der erstzugelassenen Studierenden an öffentlichen Universitäten in Österreich von 2003 bis 2025.
Zahl der erstzugelassenen Studierenden an öffentlichen Universitäten in Österreich von 2003 bis 2025.

Die Agenda Austria macht das an einem plakativen Beispiel fest: Eine alleinerziehende Billa-Verkäuferin finanziere mit ihren Steuern das rund 300.000 Euro teure Zahnmedizinstudium eines Sprösslings aus einer deutschen Arztfamilie mit – damit dieser danach die Praxis der Eltern in München übernehmen könne. Das sei laut der Denkfabrik „weder sozial noch fair”.

Auch der Forschungsrat schlägt Alarm

Auch der Rat für Forschung, Wissenschaft, Innovation und Technologieentwicklung (FORWIT) fordert eine Strategie für den Umgang mit Studierenden aus Drittstaaten. FORWIT-Vorsitzender Thomas Henzinger bringt die Kernfrage gegenüber der APA auf den Punkt: „Wollen wir sie uns etwas kosten lassen oder wollen wir sie zahlen lassen?” Studierende aus Drittstaaten dürften nach dem Studium oft gar nicht in Österreich bleiben – „Das heißt, wir bilden sie gratis aus und schicken sie dann wieder weg.” Über diesen FORWIT-Vorstoß hat der

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Jetzt spitzt es sich politisch zu

Was die Debatte brisant macht, ist der Zeitpunkt. Wissenschaftsministerin Eva-Maria Holzleitner (SPÖ) hatte mit Blick auf das Doppelbudget 2027/28 Einsparungen von insgesamt 213 Millionen Euro in ihrem Ressort angekündigt, der e

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Die Universitätenkonferenz warnte daraufhin vor einer Kürzung von einer Milliarde Euro über den Zeitraum 2028 bis 2030 – in mehreren Städten kam es zu Uni-Protesten. Die endgültige Entscheidung über das Uni-Budget wurde vertagt; sie soll erst nach einer Regierungsklausur im Herbst fallen.

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In genau diese Lücke stößt nun die Politik. Die Tiroler ÖVP-Bildungslandesrätin Cornelia Hagele preschte vor. Gegenüber der Tiroler Tageszeitung erklärte sie im Juni, dass Universitäten – ähnlich wie Fachhochschulen – künftig die Möglichkeit erhalten sollen, „moderate und sozial abgefederte Studienbeiträge” einzuheben. Verpflichtet werden solle keine Hochschule; im Rahmen ihrer Autonomie sollen die Unis selbst entscheiden. Begleitend brauche es ein starkes System aus Stipendien, Gebührenbefreiungen und Rückerstattungen.

Die Reaktionen fielen entlang der bekannten Linien aus: Die FPÖ verschließt sich nicht: „Wenn Studiengebühren, dann sozial absolut gerecht gestaffelt”, so Tirols FPÖ-Chef Markus Abwerzger – Studienerfolge müssten sich als Bonus bemerkbar machen, die Einnahmen den Unis zugutekommen.

Die Neos werten den Vorschlag als „Schritt in die richtige Richtung” und verweisen auf ihr Modell nachgelagerter Studiengebühren, bei dem der Staat vorfinanziert und Absolventen erst ab einer bestimmten Einkommensgrenze zurückzahlen.

SPÖ und Grüne bleiben strikt dagegen. Der Tiroler SPÖ-Bildungssprecher Benedikt Lentsch: „Studiengebühren wird es mit der SPÖ nicht geben.” Bildung dürfe nicht an den finanziellen Möglichkeiten scheitern.

Die Studierendenvertretung läuft Sturm

Am schärfsten reagiert die Österreichische Hochschülerschaft (ÖH). Wer ausländische Studierende jetzt zur Kasse bitten wolle, betreibe „billigen Populismus”, so Viktoria Kudrna aus dem ÖH-Vorsitz. Ausländische Studierende seien „keine Belastung für das Budget, sondern eine Bereicherung”. Die ÖH will die bestehende doppelte Gebühr für Drittstaatsangehörige – über 700 Euro pro Semester – sogar abschaffen und nennt sie diskriminierend. Auch Ministerin Holzleitner lehne höhere Gebühren für Drittstaats-Studierende ab, betont die ÖH.

Ein Blick über die Grenzen

Während Österreich noch diskutiert, schaffen andere längst Fakten. Frankreich hebt für Nicht-EU-Studierende ab 2026/27 Gebühren von rund 2.895 Euro (Bachelor) bzw. 3.941 Euro (Master) pro Jahr ein – eine Ver-16-fachung, die den Universitäten rund 250 Millionen Euro jährlich bringen soll. In Bayern führt die Uni Erlangen-Nürnberg ab dem Sommersemester 2027 Gebühren für neue Nicht-EU-Studierende ein, und an der Uni Bern zahlen ausländische Studierende ab Herbst 2026 das Dreifache.