Vier Tage, zwei Länder, ein klares Ziel – so war Justizministerin Anna Sporrer (SPÖ) in die Woche gestartet. Wie der exxpress bereits berichtete, reiste Sporrer durch Montenegro und Albanien. Im Aviso zur Reise nannte das Justizministerium selbst den Kernpunkt: die „Überstellung straffälliger ausländischer Staatsbürger durch ihre Herkunftsländer”.
Sporrer Auf Geheimmission Ministerin Reist Zum Westbalkan Und Schweigt
Ministerin Sporrer ist zurück
Das Ministerium berichtet von Gesprächen über Rechtsstaatlichkeit, den montenegrinischen EU-Beitrittsprozess, Korruptionsbekämpfung und bilaterale Zusammenarbeit. Besucht wurde auch ein Zentrum für Frauenrechte. Was in der gesamten Aussendung jedoch mit keinem einzigen Wort erwähnt wird: Überstellungen von Häftlingen – jenes Thema, das das Ministerium im Aviso vor der Reise selbst als zentrales Ziel bezeichnet hatte – wie der exxpress berichtet.
Sporrer wird in der Aussendung mit den Worten zitiert, sie gratuliere Montenegro „zu dem entschlossenen politischen Willen, die notwendigen Maßnahmen im EU-Beitrittsprozess rasch und konsequent umzusetzen.” Von konkreten Ergebnissen zur Rückführung straffälliger Ausländer – dem erklärten Kernziel der Reise – ist keine Rede. Es bleibt bei vager „justizpolitischer Zusammenarbeit”.
Lausch: „Symbolpolitik – man wählt den geringsten Widerstand"
FPÖ-Justizsprecher Christian Lausch, der das Thema Gefängnisüberbelegung seit Jahren parlamentarisch verfolgt, stellt die Reise grundsätzlich in Frage – und zwar schon vor der Frage nach den Ergebnissen.
Gegenüber dem exxpress meint er: „Albanien und Montenegro machen vielleicht fünf bis zehn Prozent der ausländischen Häftlinge aus – wenn überhaupt. Das ist wieder typisch: Da wählt man den geringsten Widerstand. Die wirklich wichtigen Herkunftsländer wie Marokko, Algerien oder Tunesien – dort, wo die Gefängnisse wirklich entlastet werden könnten – die bleiben unangetastet.”
Lausch verweist dabei auf ein strukturelles Problem: Mit Nordafrika – den Herkunftsländern eines erheblichen Teils der ausländischen Häftlinge in Österreich – gibt es bis heute keine funktionierenden Überstellungsabkommen. Mit Marokko laufen die Verhandlungen seit Jahren ohne Ergebnis.

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