Zwischen dem 28. Dezember 2025 und Mitte Jänner 2026 berichten Menschenrechtsorganisationen von staatlicher Gewalt im Iran: Tote, Massenverhaftungen, Schnellverfahren, Internet- und Telefonabschaltungen. Es geht nicht um einen Krieg, sondern um Repression gegen die eigene Bevölkerung.

In diesen ersten drei Wochen trat UN-Generalsekretär Guterres kein einziges Mal persönlich vor die Öffentlichkeit. Er reiste nicht in die Region. Er sprach nicht selbst im Sicherheitsrat. Die einzige formelle Reaktion folgte am 11. Jänner 2026, nach mehr als zwei Wochen: ein vorsichtiges Sprecherstatement mit allgemeinen Appellen zu Zurückhaltung und Dialog. Erst am 15. Jänner, also nach rund drei Wochen, befasste sich der UN-Sicherheitsrat mit der Lage im Iran – erneut ohne Auftritt des Generalsekretärs und ohne Resolution.

Am 13. Jänner veröffentlichten einige UN-Experten ein gemeinsames Statement zur Gewalt. Doch auch das fiel schmal aus: nur 5 von 87 UN-Sonderberichterstattern beteiligten sich offiziell.

Scharfe Kritik an der UNO

Diese Zurückhaltung rief ungewöhnlich deutliche Angriffe auf die UN-Führung hervor. Die iranische Journalistin und Frauenrechtsaktivistin Masih Alinejad sagte vor dem Sicherheitsrat: „Die Vereinten Nationen haben es versäumt, mit der Dringlichkeit zu reagieren, die dieser Moment verlangt.“

Besonders schwer wog ihr persönlicher Vorwurf an den UN-Chef: „Der Generalsekretär hat nicht öffentlich gesprochen – nur über seinen Sprecher. Schweigen sendet ein Signal.“ Und schließlich die Frage: „Warum haben Sie Angst vor der Islamischen Republik?“

Auch die Genfer NGO UN Watch wurde ungewöhnlich scharf. Direktor Hillel Neuer erklärte sinngemäß, die Stille vieler UN-Menschenrechtsexperten sei keine Lähmung, sondern Ausdruck selektiver Empörung. UN-Experten würden rasch mobilisieren, wenn es um Israel oder westliche Staaten gehe – nicht aber, wenn ein autoritäres Regime massiv gegen die eigene Bevölkerung vorgehe. Schweigen sei in solchen Fällen keine Neutralität, sondern werde von repressiven Regimen als Freibrief verstanden.

Israel: die ersten drei Wochen nach dem Hamas-Massaker

Zweieinhalb Jahre zuvor zeigte sich ein völlig anderes Bild. Am 7. Oktober 2023 verübte die Hamas das schwerste Massaker an Juden seit 1945: 1.182 Menschen wurden ermordet, rund 250 als Geiseln verschleppt.

Hat die UNO Hamas kritisiert? Ja – formal und kurz. Der UN-Generalsekretär verurteilte den Angriff und forderte die Freilassung der Geiseln. Doch bereits ab Tag 2 verlagerte sich der Schwerpunkt der öffentlichen UN-Kommunikation deutlich.

9. Oktober 2023: frühe Kritik an Israel

Am 9. Oktober, nur zwei Tage nach dem Massaker, trat Guterres persönlich vor die Presse – mit einer öffentlichen Kritik an Israel: „Ich bin zutiefst bestürzt über die Ankündigung einer vollständigen Belagerung des Gazastreifens – kein Strom, keine Nahrung, kein Treibstoff.“ Diese Aussage richtete sich explizit gegen eine israelische Maßnahme – zu einem Zeitpunkt, als Israel noch keine Bodenoffensive gestartet hatte. Diese begann erst am 27. Oktober.

UN-Sicherheitsrat: schnelle Befassung, klare Stoßrichtung

In den ersten drei Wochen nach dem Hamas-Angriff folgten im UN-Sicherheitsrat mehrere Sitzungen, in denen: eine sofortige Waffenruhe gefordert wurde, israelische Militärmaßnahmen als Risiko für Zivilisten thematisiert wurden, Resolutionsentwürfe eingebracht wurden, ohne die Hamas klar zu verurteilen.

Am 24. Oktober sprach Guterres persönlich im Sicherheitsrat. Zwar erwähnte er Hamas, verband dies jedoch unmittelbar mit Kritik an Israels Reaktion und erneuten Forderungen nach Zurückhaltung.

UN-Generalversammlung: Notfall-Resolution ohne Hamas-Verurteilung

Am 27. Oktober 2023, nur 20 Tage nach dem Massaker, verabschiedete die UN-Generalversammlung die Notfall-Resolution ES-10/21. Sie forderte eine sofortige humanitäre Waffenruhe – ohne namentliche Verurteilung der Hamas. Israel und die USA stimmten dagegen. Ihre Begründung: Die Resolution relativiere den Terrorangriff.

Die ersten drei Wochen: Ein Vergleich

In den ersten drei Wochen der Gewalt gegen Demonstranten im Iran ließt sich der UN-Generalsekretär nicht zu einem einzigen persönlichen Auftritt hinreißen, erst spät folgte ein Statement eines Sprechers, nach knapp drei Wochen fand erstmals eine Sicherheitsratssitzung statt, gerade einmal 5 von 87 UN-Experten reagierten offiziell.

Nach dem Massaker an israelischen Zivilisten brauchte der UN-Chef zwei Tage für seinen ersten persönlichen Presse-Auftritt – mit Kritik an Israel, es folgten mehrere Sicherheitsratssitzungen mit Kritik an Israel, eine Notfall-Resolution der Generalversammlung, mehrere frühe Experten-Statements.  Nicht nur der Ton, auch Geschwindigkeit, Sichtbarkeit und Intensität unterscheiden sich massiv.

Ein Signal, das verstanden wird

Der frühere sowjetische Dissident Natan Sharansky warnte einst: „Wenn Diktaturen die Sprache der Menschenrechte benutzen, um Demokratien anzugreifen, ist etwas grundlegend falsch.“

Erschwerend kommt hinzu: Israel war am 7. Oktober Opfer eines beispiellosen Massakers durch Terroristen – und sah sich dennoch rasch mit einer Welle an Verurteilungen und Kritik konfrontiert, noch bevor die israelische Bodenoffensive im Gazastreifen begann.

Die aktuelle Debatte geht noch weiter. Sie fragt, warum internationale Institutionen Demokratien schneller und schärfer kritisieren als Regime, die auf ihre eigene Bevölkerung schießen.

Die Empörung im UN-Sicherheitsrat richtet sich deshalb nicht nur gegen António Guterres. Sie stellt die Glaubwürdigkeit der Vereinten Nationen selbst infrage – und das Signal, das sie senden, wenn Freiheit unterdrückt wird und die Symbolspitze schweigt.