WHO: Welche offenen Fragen und Entscheidungen derzeit im Hintergrund laufen
Vom US-Austritt bis zu neuen Regeln: Im Exklusivinterview erläutert Dr. Maria Hubmer-Mogg die Hintergründe der Entscheidung, die strukturellen Zusammenhänge und laufende politische Debatten.
Der Austritt der USA aus der Weltgesundheitsorganisation hat international für Aufsehen gesorgt. Für Dr. Maria Hubmer-Mogg, Medizinerin und Gründerin der Initiative „Make Europe Healthy Again“, kommt dieser Schritt jedoch nicht überraschend. In einem ausführlichen Interview zeichnet sie das Bild einer Organisation, die zunehmend von zweckgebundenen Spenden, privaten Interessen und fehlender Kontrolle geprägt ist – mit weitreichenden Folgen für nationale Souveränität und demokratische Entscheidungsprozesse.
„Ein System mit strukturellen Fehlern“
Für Hubmer-Mogg liegt das Kernproblem der WHO nicht in einzelnen Fehlentscheidungen, sondern in ihrer institutionellen Konstruktion. Rund 80 Prozent des Budgets stammen nicht aus regulären Mitgliedsbeiträgen, sondern aus zweckgebundenen Spenden. Diese Abhängigkeit schaffe ein strukturelles Ungleichgewicht und untergrabe die politische Neutralität der Organisation.
Besonders kritisch sei die mangelnde Transparenz. Spenden über die 2020 gegründete WHO-Stiftung würden anonymisiert ausgewiesen. Wer hinter diesen Geldflüssen steht, bleibe der Öffentlichkeit verborgen. Eine effektive demokratische Kontrolle sei damit faktisch ausgeschlossen.
Die Rolle privater Akteure
Ein weiterer Schwerpunkt des Interviews liegt auf der engen Verflechtung zwischen öffentlichen Institutionen und privaten Interessen. Hubmer-Mogg verweist auf Organisationen wie GAVI und große Stiftungen, die zugleich als Geldgeber und als Akteure im globalen Impfstoffmarkt auftreten.
Diese Form der Public-Private-Partnerships berge laut ihr einen grundlegenden Interessenkonflikt. Während öffentliche Institutionen dem Gemeinwohl verpflichtet sein müssten, agierten private Akteure legitim profitorientiert. Werden beide Ebenen vermischt, verschwimme diese Trennlinie – mit Konsequenzen für gesundheitspolitische Entscheidungen.
Macht ohne Kontrolle
Wie der exxpress bereits berichtete, hat Österreich am 17. Juli 2025 formell Einspruch gegen die jüngsten Änderungen der Internationalen Gesundheitsvorschriften eingelegt. Damit ist das Land vorerst nicht an die neuen Bestimmungen gebunden. Das Gesundheitsministerium erklärte dazu in einer OTS, die Änderungen der Internationalen Gesundheitsvorschriften (IHR 2005), beschlossen von der Weltgesundheitsversammlung am 1. Juni 2024, seien als Staatsvertrag zu behandeln und bedürften daher der Annahme durch das österreichische Parlament.
PABS: Der offene Kern des Pandemievertrags
Im Interview trennt Hubmer-Mogg klar zwischen den bestehenden Internationalen Gesundheitsvorschriften und dem geplanten Pandemievertrag – in der politischen und medialen Kommunikation wird hier häufig einiges verwechselt. Letzterer wird von der WHO vorangetrieben und soll bei der Weltgesundheitsversammlung finalisiert werden. Erst danach beginnt die Ratifizierungsphase in den Mitgliedstaaten. Als letzten offenen Punkt nennt sie das sogenannte PAPS System, also „Pathogen Access and Benefit Sharing“. Laut Entwurf soll dadurch geregelt werden, wie Krankheitserreger und genetische Sequenzdaten im Krisenfall geteilt werden – und welche Gegenleistungen daraus folgen. Genannt werden etwa Impfstoffe, Diagnostika, Lizenzen oder technischer Beistand.
Das gesamte Interview mit Dr. Maria Hubmer-Mogg sehen Sie hier:
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