Seit 24. Februar 2022, seit Beginn der russischen Invasion in der Ukraine ist diese grundsätzliche Überlebenshilfe ausgeblendet: In Brüssel, Washington, Berlin, London und auch in Wien wird der Präsident der Russischen Föderation (144,5 Millionen Einwohner) als „Irrer ohne Plan“, als „krebskranker Despot kurz vor einer Niederlage“ gesehen. Die „Welt“ veröffentlichte sogar, dass Wladimir Wladimirowitsch Putin (69) „Waffen und Soldaten ausgehen“.

Natürlich: Ein Staatschef, der alle Zeit der Welt hatte, mit vermutlich 200 Generälen, sowie Analysten, Wirtschaftsexperten und Geheimdienstchefs des GRU und FSB eine Invasion zu planen und alle Gegenmaßnahmen der NATO, der EU, der USA über Monate immer wieder durchzuspielen, der steht plötzlich, nach sieben Wochen Krieg vor einer peinlichen Niederlage?

Hat Putin tatsächlich keinen größeren Plan?

Ein Staatschef mit IQ 127 – laut westlichen Nachrichtendiensten zählt Putin damit zu den 14% der klügsten Menschen – schickt also bewusst nur 150.000 Soldaten aus, um eine 44-Millionen-Einwohner-Nation zu erobern, lässt westliche Waffenhilfe zu und Russlands Wirtschaft vernichten. Einfach so. Ohne größeren Plan.

Etwa die massiven Waffengeschenke der NATO-Staaten an die Ukraine: Liefern wir Europäer Putin nicht eben den Kriegsgrund? Warum zerstört denn die russische Luftwaffe (772 Kampfjets und 732 Bomber) nicht längst die Nachschubrouten aus Polen und Tschechien?

Ein willkommener Vorwand um Russen zu einen

Oder die Besuche der EU und europäischer Staatschefs in Kiew – genau davor warnte Russlands Präsident seine Bürger: Jetzt sehen alle Russen die Abhängigkeit der Ukraine vom Westen.

Und sorgt nicht das Töten tausender russischer Soldaten für Hass in Russland auf den Westen, sorgen nicht Gräueltaten ukrainischer Soldaten an gefangenen Russen für die Bilder, die Putin braucht, um die russische Gesellschaft zu einen?

Putin dürfte die Reaktion des Westens eingeplant haben

Ein Mann, der sieben Jahre lang als KGB-Offizier (1975 bis 1982) selbst intensiv den Westen und unsere Moralvorstellungen, unsere Solidaridäts-Kultur und unsere militärische Schwäche studieren konnte, dürfte schon vor dem 24. Februar gewusst haben, wie Berlin, wie Brüssel, Washington und London reagieren würden.

Wladimir Wladimirowitsch Putin und sein Generalstab haben den Westen jetzt genau in der Situation, die geplant war: Die westlichen Staaten sind als Waffenlieferanten der Feinde Russlands enttarnt. Und sie wollen Russland mit Sanktionen in die Knie zwingen, am besten wirtschaftlich ruinieren, die Russen verarmen und hungern lassen.

In einer Rede zur Lage der Nation wird Putin sagen: „Ich habe euch gewarnt.“ Und er könnte die Generalmobilmachung für das bedrohte Russland befehlen.

Dann sollten wir beten.

PS: Noch ein Gedanke für unsere Zukunft in Europa: Für eine Persönlichkeit wie Wladimir Putin dürfte ein Gerichtstermin als angeklagter Kriegsverbrecher nicht zur Lebensplanung zählen. Er wird alles, absolut alles tun, um nicht als Verlierer diesen Konflikt zu beenden.