In jeder Hinsicht schonungslos ist das Interview, das Top-Investor Peter Thiel jetzt dem Journalisten Garbor Steingart gegeben hat. Der Sohn deutscher Auswanderer, der in den USA als Facebook-Investor und Mitgründer von Paypal zum Milliardär wurde, verliert das Herkunftsland seiner Eltern nicht aus den Augen. Das Urteil des Vordenkers der Technologie-Elite über die heutige CDU und Kanzlerin Angela Merkel ist vernichtend, wie sein Talk auf Garbor Steingarts Morning Briefing Podcast enthüllt. Scharf ist seine Kritik an Deutschland, doch dass sein Urteil über Österreich und andere europäische Länder milder ausfallen würde, darf bezweifelt werden.

CDU erinnert an Kentucky Fried Chicken

Über Deutschlands Bundeskanzlerin Angela Merkel: „Merkel repräsentiert seit 16 Jahren den ewigen Murmeltiertag. Jeder Tag sieht aus wie der vorherige. Nichts ändert sich. Das hat für schockierend lange Zeit funktioniert. Aber nun hat sich dieses System erschöpft.“

Über die CDU, die Partei, deren Vorsitzende Angela Merkel ist: „Die CDU ist eine Kern-Institution der Bundesrepublik und die befindet sich in ernsthaften Schwierigkeiten. Die CDU ist eine Zombie-Partei geworden, die mit Ideen aus dem 20. Jahrhundert auf Autopilot fährt. Das macht keinen Sinn mehr.“

Den Zustand der Christdemokraten vergleicht Peter Thiel mit dem Fast-Food-Giganten KFC: „Die CDU ist wie KFC. Beide kommunizieren nicht mehr, wofür sie stehen. Aus Kentucky Fried Chicken wurde KFC, weil man kein frittiertes Hühnchen mehr essen soll und Kentucky ein abgewirtschafteter Staat ist. Also klingt KFC besser und auf ähnliche Weise wurde aus der Christlich Demokratischen Union die CDU. Sie hatte einst etwas mit christlicher Religion und Demokratie zu tun. Doch das ist irgendwann verloren gegangen. “

Was den Neustart in Deutschland blockiert

Thiel sieht die Pandemie als Wendepunkt der Geschichte: „Große Unternehmen, zunehmend dysfunktionale Universitäten und Megastädte, die nicht richtig funktionieren. Das Virus bedeutet einen Neustart für die Gesellschaft.“

Doch Deutschland hat einen großen Hemmschuh für den Neustart: Angstkultur und sozialdemokratisches Denken: „Die Menschen in Deutschland haben Angst vor der Niederlage. Du riskierst nichts, weil du scheitern könntest. Aber ich frage mich, ob es nicht auch eine deutsche Angst vor dem Erfolg gibt. Dieses sozialdemokratische Denken steckt tief in den Menschen: Wenn du in Deutschland Erfolg hast, dann mögen dich deine Freunde nicht mehr, du verlierst deinen Platz in der Gesellschaft.“

"Chimeria" wird bald nicht mehr funktionieren

In die deutsche Autoindustrie würde Thiel zurzeit nicht investieren. Das deutsche Exportmodell, das darauf beruht, in gleicher Weise Handel mit Amerikanern und Chinesen zu treiben, werde auf Dauer nicht funktionieren: „Irgendwann wird sich Deutschland bei seiner Exportstrategie entscheiden müssen. China oder Amerika? ‚Chimerika‛ wird nicht mehr lange funktionieren. Damit wird eine für Deutschland sehr, sehr unangenehme Frage aufgeworfen.“

Er sieht aber auch ein generelles Problem im Westen, nicht nur in Deutschland: die politische Korrektheit und die Uniformität des Denkens: „Das größte politische Problem ist die politische Korrektheit, diese besondere Form der Gleichschaltung, das uniforme politische Denken. In Deutschland. In den USA. Überall im Westen.