Der von der Mitarbeiterin und Ex-Geliebten (35) des Ibiza-Detektivs Julian H. genannte Kripo-Ermittler ist ein Fantom: Er arbeitet verdeckt und soll “Führungsoffizier” von V-Leuten, also von Spitzeln und “Agents Provocateurs”, in der Drogenszene sein. Der langjährige und im Innenministerium gut bekannte Kriminalist war für den eXXpress nicht zu erreichen, obwohl der Schutz seines Decknamens und seiner Identität zugesagt war.

Bei ihrer Zeugeneinvernahme vor der Soko Tape/Ibiza bestätigte die Ex-Partnerin des Ibiza-Detektivs, was schon seit längerem vermutet worden ist – hochrangige Mitarbeiter der Exekutive arbeiteten mit den Köpfen der Video-Clique zusammen, gaben ihnen vermutlich sogar konkrete Aufträge. Die junge gebürtige Serbin erinnert sich an den Frühsommer 2019, an die Tage nach der Ibiza-Video-Veröffentlichung:  “Kurz darauf wurde ich von M. kontaktiert. Er ist der Kontaktmann von Slaven K. Ich hatte ihn über Slaven kennengelernt und 4 bis 5 Jahre nicht gesehen. Er wollte mit mir Essen gehen. Ich habe mich daher mit ihm getroffen. Er wollte mich bezüglich der Ibiza-Sache ausfragen. Er sagte mir auch, dass er schon mit Slaven gesprochen habe.”

Ibiza-Komplize und Großdealer arbeitete auch für Exekutive

Dass der hochrangige Ermittler “auch schon mit Slaven gesprochen hat”, ist besonders interessant: Slaven K. (53) war für das Bundeskriminalamt als V-Mann tätig und war auch ein guter Bekannter des Ibiza-Detektivs Julian H. Angeblich soll der Kripo-Informant sogar mit auf der Baleareninsel gewesen sein, als am 23. Juli 2017 in der Finca das Strache-Video gedreht worden ist, bewiesen ist das jedoch nicht. Slaven K. büßt aktuell eine mehrjährige Haftstrafe ab: Bei einer Razzia im November 2019 fand die Cobra in seinem Haus kiloweise Kokain, eine 9-mm-Pistole, ein Repetiergewehr und 139 Schuss Munition. Auffällig: Der arbeitslose Polizeispitzel hatte auf drei Sparbüchern und in zwei Kuverts 113.000 Euro gebunkert.

Nur wenige Monate vor dieser Hausdurchsuchung hatte also der Sonderermittler des Bundeskriminalamts “mit Slaven gesprochen” – was führte dann aber dazu, dass der in Salzburg lebende Kokain-Großdealer und V-Mann K. in Ungnade fiel und im November verhaftet wurde? Ob die Soko Ibiza dazu vom Kollegen eine Antwort bekommt?

Vermutlich war Drogenhändler K. auch beim Dreh des Videos in einem Nebenraum

Zeugin plaudert auch über zweiten Kriminalisten und Fluchtroute

Noch einen bereits durch die Causa Ibiza bekannten Polizisten nennt die Ex-Lebensgefährtin des Ibiza-Haupttatverdächtigen in der Zeugeneinvernahme: Jener Kriminalist, der von der Soko Ibiza ausgeschlossen worden ist, nachdem sein SMS-Chat mit HC Strache aufgeflogen ist, hätte nach dem ersten medialen Aufschlag des Videos ebenfalls bei ihr angerufen. Der Kriminalist fragte nach der Wohnadresse – und hat sich dann nicht mehr gemeldet.

In ihrer Zeugenaussage beschreibt die Geliebte des Ibiza-Detektivs auch die seltsame Flucht mit ihm durch halb Europa ab Juni 2019. Die massiven Erinnerungslücken fallen bei dieser Erzählung auf: Die Zeugin (35) weiß oft nicht einmal die Namen der Städte, in denen sie gemeinsam mit Julian H. übernachtet hat. Nur ein Faktum, was der Soko längst bekannt ist, kann sie bestätigen: Sie war mit H. im Juli 2019 auch in der Schweiz. Auch “in der Stadt an einem Fluss”. In Zürich hatte der Haupttatverdächtige bekanntlich einen Tresor bei einem Schweizer Wertpapier- und Gold-Depot am noblen Limmatquai gemietet. Bei der von der Staatsanwaltschaft Wien wenige Wochen später per Rechtshilfeersuchen angeordneten Öffnung war dieser Safe leer …

Der Ex-Lebenspartner der Zeugin, der Haupttatverdächtige des Ibiza-Coups, sitzt in Wien in U-Haft