Auch in den vergangenen Tagen hat exxpress über eine ganze Reihe von Gewalt- und Drogendelikten berichtet. Wer die Fälle nebeneinanderlegt, erkennt schnell ein Muster: Die Täter werden jünger, die Taten brutaler – und die politische Debatte darüber, wie der Staat reagieren soll, dreht sich im Kreis. Ein Überblick über die Fälle, die diese Woche für Aufsehen sorgten.

Kärnten und die Steiermark: Koks, Dealer, ein Schuss ins Bein

Beginnen wir im Süden. In Kärnten musste sich eine 25-jährige Villacherin vor Gericht verantworten – zuvor unbescholten, mit abgeschlossener Ausbildung und Job. Laut Kronenzeitung portionierte sie in ihrer Wohnung kiloweise Kokain – während ihr kleiner Sohn im Nebenzimmer schlief. Ihre Erklärung vor Gericht: „Ich war verliebt.” Der Mann, ein 40-jähriger Algerier, war bereits einmal abgeschoben worden und wenig später wieder zurückgekehrt. Sie bekam zwei Jahre teilbedingt, er drei Jahre unbedingt – und danach droht ihm erneut die Abschiebung.

In Graz beschreibt der 25-jährige Santosch die andere Seite: Der gebürtige Inder kam vor zehn Monaten voller Erwartungen, heute meidet er den Volksgarten vor seiner Tür. „Die Dealer werden brutal, sobald ich frage, warum sie hier Kokain verkaufen.” Die Zahlen geben ihm recht: Seit Einrichtung der Schutzzone im Juli 2024 wurden dort 1.062 Betretungsverbote und 1.499 Anzeigen registriert.

Wie tief die Abgründe reichen, zeigte ein Prozess am Grazer Straflandesgericht: Ein südsteirischer Barbershop diente als Drogenumschlagplatz – zum Gratis-Haarschnitt gab es laut „Kleiner Zeitung” gleich eine Kokain-Probe. Am Ende feuerte ein 24-Jähriger einem Kontrahenten gezielt ins Bein.

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Schaut man nach Wien, verdichtet sich das Bild. In der Donaustadt wurde ein 58-Jähriger am Cizekplatz von einem E-Scooter-Fahrer attackiert, der gezielt gegen seine Beine fuhr und anschließend über beide Sprunggelenke rollte. 93 Tage Krankenstand, Metallplatten in beiden Gelenken. Am selben Platz patrouillieren inzwischen freiwillige „Grätzel-Wächter” auf Motorrädern, weil sich Anrainer von einer „Rollergang” terrorisiert fühlen. Die Polizei zieht eine klare Linie: „Selbstjustiz geht gar nicht!”

In Favoriten wurde eine 24-Jährige nach einem wochenlang angebahnten Snapchat-Date von einem gleichaltrigen Syrer zu Boden gestoßen und ausgeraubt. In Brigittenau nahm die Polizei einen 15-jährigen Iraker fest, der eine 14-Jährige über Wochen vergewaltigt, bedroht und geschlagen haben soll. In Leopoldstadt raste ein 30-jähriger Afghane mit über 1,8 Promille in einen Linienbus, wollte flüchten und schlug einem Beamten ins Gesicht. Und in Floridsdorf lieferte sich ein 15-jähriger Ukrainer auf einem gestohlenen Motorrad eine Verfolgungsjagd, die im Crash endete.

Erst am Donnerstagabend sorgte ein weiterer Fall in Floridsdorf für Aufsehen: Ein 30-jähriger Iraker soll vor einer religiösen Einrichtung mit einem Holzpflock in der Hand herumgeschrien und Passanten in Angst versetzt haben. Als die Polizei gegen 18.15 Uhr eintraf, schrie er die Beamten in einer für sie unverständlichen Sprache an und schwenkte den Pflock laut Polizei bedrohlich hin und her. Weil er alle Aufforderungen ignorierte und den Gegenstand nicht weglegte, setzten die Beamten schließlich einen Taser ein und brachten den Mann unter Kontrolle. Ein Zeuge gab an, der Iraker habe schon zuvor in der Einrichtung lautstark geschrien und einen verwirrten Eindruck gemacht.

Es sind nicht nur die klassischen Brennpunkte. Quer durch die Stadt schlagen die Bezirke Alarm – von Favoriten über Brigittenau bis in den Nobelbezirk Döbling. In der Brigittenau sollen allein 270 Straftaten auf das Konto eines einzigen, noch nicht 14-jährigen Tatverdächtigen gehen. Weil er strafunmündig ist, bleiben Konsequenzen aus.

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Genau das befeuert die politische Debatte. Integrationsministerin Claudia Bauer (ÖVP) fordert, das Strafmündigkeitsalter von 14 auf zwölf Jahre zu senken: „Wenn Zwölfjährige rauben, vergewaltigen oder mit Messern auf andere losgehen, dann muss der Staat handeln.” Justizministerin Anna Sporrer (SPÖ) lehnt das ab und setzt stattdessen auf neue Möglichkeiten zur staatlichen Unterbringung strafunmündiger Kinder. Oberösterreichs Jugendlandesrat Christian Dörfel (ÖVP) gehen Sporrers Pläne nicht weit genug: „Unser Rechtsstaat darf nicht länger zusehen.”

Neue Zahlen liefert eine FPÖ-Anfrage an Innenminister Gerhard Karner (ÖVP): 2025 wurden bundesweit 3.137 minderjährige Tatverdächtige bei Suchtgiftdelikten erfasst, 1.118 davon mit ausländischer Staatsangehörigkeit. Zu einem festgenommenen minderjährigen Syrer in Kärnten verweigerte Karner mit Verweis auf Datenschutz und laufende Ermittlungen jede Auskunft – zu Aufenthaltsstatus, Vorstrafen und möglichen Abschiebungen.

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Auch jenseits der Grenze fiel diese Woche ein Urteil, das lange nachhallen wird. Der Syrer, der vor gut einem Jahr im ICE bei Straßkirchen mit Axt und Hammer auf Fahrgäste losging und vier Menschen schwer verletzte, wird nicht zu Haft verurteilt: Das Landgericht Regensburg ordnete die dauerhafte Unterbringung in der Psychiatrie an, weil der 21-Jährige an paranoider Schizophrenie leidet und als schuldunfähig gilt. Dass niemand starb, war laut der Richterin „schlichtweg Zufall”. Der Mann war in Wien gemeldet, 2021 als unbegleiteter Minderjähriger nach Österreich gekommen und hier bereits mehrfach verurteilt worden. Das österreichische Innenministerium bestätigte, dass das Verfahren zur Aberkennung des Asylstatus fortgesetzt wird.

Wie sehr sich diese Muster gleichen, hat der exxpress in einer viel beachteten Analyse zusammengetragen: Von Villach über Solingen bis Marseille zeichne sich ein „neuer Tätertyp” ab – fast immer männlich, sehr jung, ohne festen Halt, oft aus instabilen Zuwanderungsmilieus. In Österreich stieg die Zahl der Anzeigen gegen syrische Zehn- bis 14-Jährige laut Innenministerium von rund 25 im Jahr 2015 auf fast 1.000 im Jahr 2024.

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Und das Gewaltschutzzentrum?

Und die Fachstellen? Das Gewaltschutzzentrum Oberösterreich präsentierte diese Woche seine Halbjahresbilanz – und richtete den Blick auf einen ganz anderen Bereich. Im Mittelpunkt der Warnungen stehen Social-Media-Trends wie „Tradwives” und die „Manosphere”, die problematische Rollenbilder verbreiten und Gewalt gegen Frauen begünstigen könnten. 2025 wurden im Bundesland 2.422 Betretungs- und Annäherungsverbote ausgesprochen.

Kulturellen Prägungen misst die Einrichtung dagegen wenig Bedeutung bei. Vorsitzende Sonja Ablinger erklärte, sie sehe „weniger eine Kulturfrage” – also etwa, ob Jugendliche konservativen muslimischen Milieus entstammen – als entscheidend. Wichtiger sei die Frage, wer Jugendliche in einer sensiblen Phase ihrer Identitätsentwicklung beeinflusse.

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