Während Vizekanzler und Sportminister Andreas Babler gemeinsam mit Frauenministerin Eva-Maria Holzleitner (beide SPÖ) die NGO ZARA mit insgesamt 300.000 Euro absichern wollen, bleibt die entscheidende Frage offen: Woher kommt das Geld konkret? Öffentlich angekündigt sind bisher nur je 150.000 Euro aus beiden Ressorts. Welcher Budgettopf dafür herangezogen wird, wurde bisher nicht transparent gemacht.

Fast gleichzeitig schlägt Sport Austria Alarm. In den laufenden Budgetverhandlungen sollen beim Sport rund 30 Millionen Euro eingespart werden. Der Kontrast ist heikel: Für ZARA wird rasch Geld organisiert, während der organisierte Sport vor empfindlichen Einschnitten warnt.

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30 Millionen weniger bei Milliardenleistung

Laut Hans Niessl, Präsident von Sport Austria, steht der Sport in Österreich für rund 357.000 Arbeitsplätze, etwa 24,1 Milliarden Euro Wertschöpfung und rund 8 Milliarden Euro an Steuern und Abgaben. Dahinter stehen 580.000 Ehrenamtliche in 15.000 Vereinen, die rund zwei Millionen Menschen in Bewegung bringen.

Dazu kommt der Gesundheitseffekt: Der Sport spare dem österreichischen Gesundheitssystem jedes Jahr rund 530 Millionen Euro. Peter McDonald, Präsident der Sportunion Österreich, kommentiert überspitzt: „Sportstätten statt Krankenbetten.“ Gerade deshalb wirken Kürzungen in dieser Größenordnung besonders brisant.

Nachwuchs und Vereine unter Druck

Die Sorgen der Verbände sind konkret. Der Präsident des Ringsportverbandes, Thomas Reichenauer, warnte bereits, dass ohne Unterstützung zwei von drei Nachwuchszentren geschlossen werden müssten. Auch für den Spitzensport wäre das ein Schlag. Denn ohne Breite gibt es keine Spitze.

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Für ZARA ist Geld da – aber woher?

Umso bemerkenswerter: Für die ZARA-Rettung ist sofort Steuergeld da. Noch ist nicht belegt, aus welchem Topf die angekündigten 300.000 Euro kommen. Ob es jener für Sportförderungen ist, lässt sich zurzeit nicht sagen.

Brisant wird die Sache aber mit Blick auf frühere Förderungen aus dem Sportressort. Denn parlamentarische Unterlagen zeigen, dass in den vergangenen Jahren erhebliche Summen an Projekte flossen, die mit klassischem Vereins- und Wettkampfsport nur indirekt zu tun haben.

Hunderttausende für MJÖ und muslimische Pfadfinder

So erhielt die Muslimische Jugend Österreich (MJÖ) für „Wintercamps 2022/2023“ 189.860 Euro. Für „Wintercamps 2023/2024 und 2024/2025“ kamen weitere 492.589,01 Euro dazu.

Auch die Muslimischen Pfadfinder:innen Österreich wurden gefördert: Für „Gemeinsam extrem sportlich“ beziehungsweise Wintercamps 2023/2024 und 2024/2025 wurden 501.447,48 Euro ausgewiesen.

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Asylkoordination, Diakonie, Fremde werden Freunde

Auch andere Projekte wurden aus diesem Bereich finanziert. Für die Asylkoordination Österreich wurden 97.271,76 Euro für „LebensLauf: gemeinsam trainieren, gemeinsam laufen“ und weitere 274.135,04 Euro für „Sport verbindet: gemeinsam trainieren, gemeinsam laufen“ genannt. Zusammen ergibt das 371.406,80 Euro.

Der Diakonie Flüchtlingsdienst erhielt 200.000 Euro für „SPIN – Sport und Integration für Jugendliche und junge Männer mit Flucht- und Migrationshintergrund“.

Auch der Verein „Fremde werden Freunde“ wurde bedacht: zunächst mit 71.418,42 Euro, später mit weiteren 407.222,68 Euro.

Sogar Geld für Bangladesch, Indien und Malawi

Besonders unerquicklich wirkt der Blick ins Ausland. Laut parlamentarischer Anfragebeantwortung erhielt Sonne International 24.177 Euro für „Sportaktivitäten zur Entwicklungsförderung von Schüler:innen in Bangladesch“. Für ein ähnliches Projekt in Indien wurden 24.400 Euro genannt, für ein Projekt in Malawi 47.289 Euro.

Das heißt: Während Österreichs Sportverbände nun wegen 30 Millionen Euro weniger Alarm schlagen, finanzierte das Ressort in den vergangenen Jahren nicht nur NGOs und Präventionsprojekte, sondern auch sportpädagogische Maßnahmen in Bangladesch, Indien und Malawi.

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Babler muss die Prioritäten erklären

Natürlich: Nicht alle diese Förderungen wurden erst unter Andreas Babler neu beschlossen. Ein Teil reicht noch in die Amtszeit von Werner Kogler zurück. Unter Babler wurden mehrere dieser Fälle aber durch parlamentarische Anfragen erneut sichtbar oder bestätigt, .

Politisch entkommt er der Debatte damit nicht. Denn wer heute für ZARA rasch 300.000 Euro organisiert, während der Sport vor einem 30-Millionen-Loch steht, muss erklären, woher das Geld kommt und nach welchen Kriterien priorisiert wird.

Die Gelder an ZARA sind brisant, wenn gleichzeitig beim Sport der Rotstift angesetzt wird, obwohl dort Milliarden an Wertschöpfung und Hunderttausende Jobs geschaffen werden. Wenn für NGOs, Präventionsprojekte und Auslandsmaßnahmen Geld da war – warum fehlt es dann plötzlich beim Sport selbst?