Mitten in der politischen Debatte um den Förder-Stopp für den Anti-Rassismus-Verein ZARA rückt nun ein weiterer Aspekt in den Fokus: eine frühere gemeinsame Intervention mit der umstrittenen Muslimischen Jugend Österreich (MJÖ).

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Gemeinsame Front gegen Uni-Studie

Im Mai 2023 traten ZARA, die Muslimische Jugend Österreich (MJÖ) und weitere Initiativen gemeinsam gegen eine Studie der Universität Wien auf. Das Forschungsprojekt unter Leitung von Prof. Ednan Aslan sollte Einstellungen von Schülern zum Islam und zu gesellschaftlichen Fragen untersuchen. Befragt wurden Jugendliche unter anderem zu Themen wie Gewalt, Geschlechterrollen und Homosexualität.

ZARA und die MJÖ kritisierten die Studie scharf und forderten deren sofortige Einstellung. Die MJÖ sprach von einer Untersuchung „rassistischer Natur“ und warf den Verantwortlichen vor, muslimische Schüler gezielt zu stigmatisieren.

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Gemeinsamer Auftritt – heute politisch brisant

Was damals wie eine punktuelle Allianz wirkte, bekommt im aktuellen Kontext neue Bedeutung. Denn während ZARA zuletzt staatliche Fördermittel verlor, steht auch die MJÖ seit Jahren im Zentrum einer kontroversen Debatte.

Förderung und anhaltende Kritik

Fest steht: Die MJÖ erhielt in den vergangenen Jahren hunderttausende Euro an Steuergeld für Projekte im Bereich der Extremismusprävention, insbesondere für sogenannte Wintercamps.

Gleichzeitig wird ihre ideologische Einordnung seit Jahren öffentlich diskutiert.

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Debatte über mögliche Verbindungen

So berichtete etwa die Neue Zürcher Zeitung bereits 2015 unter Bezug auf den Extremismusforscher Lorenzo Vidino über „organisatorische, ideologische und persönliche Verbindungen“ der MJÖ zu einem Umfeld, das der islamistischen Muslimbruderschaft zugerechnet wird. Vidino betonte zugleich, die MJÖ sei kein Teil der Muslimbruderschaft, stehe aber „in gewissem Maße unter ihrem Einfluss“.

Auch die Dokumentationsstelle Politischer Islam sowie das Forschungsprojekt „Islam-Landkarte“ verweisen auf historische Materialien und frühe Aktivitäten der Organisation. Genannt werden dabei unter anderem: internationale Trainings im Bereich Da’wah (religiöse Missionsarbeit), Organisationsformen wie „Usras“ (Kleingruppen), die in der Forschung oft im Kontext der Muslimbruderschaft beschrieben werden, frühere Kontakte zu europäischen Netzwerken wie FEMYSO, die etwa der deutsche Verfassungsschutz im Umfeld der Muslimbruderschaft sieht, sowie Bezüge zu Texten, die auf Hasan al-Banna, den Gründer der Muslimbruderschaft, zurückgehen.

Diese Punkte werden in Analysen als mögliche Hinweise auf ideologische oder milieunahe Überschneidungen gewertet.

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MJÖ weist Vorwürfe zurück

Die MJÖ hat solche Einordnungen stets zurückgewiesen. Sie betont, weder organisatorisch noch ideologisch mit der Muslimbruderschaft verbunden zu sein, und hat in der Vergangenheit auch rechtliche Schritte gegen entsprechende Darstellungen gesetzt.

Diesbezügliche Anfragen des exxpress an die MJÖ blieben unbeantwortet.

Offene Fragen zu gemeinsamem Auftritt

Vor diesem Hintergrund wirft der gemeinsame Auftritt mit der MJÖ im Jahr 2023 neue Fragen auf: Nach welchen Kriterien kooperieren staatlich geförderte NGOs mit anderen Organisationen? Welche Rolle spielen dabei politische oder ideologische Schnittmengen? Und wie genau werden solche Kooperationen im Rahmen staatlicher Förderung geprüft?

Brisant ist das auch deshalb, weil Kritiker seit Jahren davor warnen, dass sich unter dem Schlagwort des Kampfes gegen Islamophobie problematische ideologische Positionen der kritischen Prüfung entziehen könnten.

Der gemeinsame Auftritt von ZARA und der MJÖ erscheint damit heute nicht mehr bloß als punktuelle Zusammenarbeit. Vielmehr fügt er sich in ein Umfeld weiterer Berührungspunkte ein, das angesichts der aktuellen Förderdebatte neue politische Brisanz erhält.