
Rudolf Öller: Wieselwörter
Wieselwort ist ein neuer Begriff, der aus den USA kommt. Es handelt sich um unscharfe und umgedeutete Ausdrücke. Sie sind so alltäglich geworden, dass kaum noch jemand über die damit verbundene Gehirnwäsche nachdenkt, der wir täglich ausgesetzt sind. Wieselwörter werden mit Absicht verwendet, um irreführend zu informieren.
Manche der hier erwähnten Wieselwörter oder -phrasen sind schon so lange im Gebrauch, dass wir keine Sekunde an den Gedanken verschwenden, es handle sich um etwas Falsches oder Dummes. Die Leser mögen es verzeihen, dass hier nur einige wenige Beispiele angeführt werden können.
Homophobie
Phobos (griechisch) ist die Angst, homós (griechisch) bedeutet nicht etwa Mensch, sondern gleich oder ähnlich. Homophobie ist die Angst vor Gleichheit. Es geht um den Vorwurf, homosexuelle Menschen zu diskriminieren. Selbstverständlich hat heute niemand Angst vor Schwulen und Lesben. Es existiert lediglich eine gewisse Abneigung gegenüber dem lauten öffentlichen Agieren mancher Schwulenverbände, denn niemand außer Spannern interessiert sich für die Aktivitäten anderer Menschen in den Schlafzimmern. Noch dümmer als „Homophobie“ ist nur noch „Transphobie“, was hier nicht weiter besprochen werden soll.
Diskriminierung
bezeichnet eine Benachteiligung oder Herabwürdigung von Gruppen oder einzelnen Personen aufgrund bestimmter Wertvorstellungen. Selbstverständlich wird dieser Begriff in Zeiten wie diesen in erster Linie im Zusammenhang mit der vermeintlichen Herabwürdigung von Schwulen, „People of Color“, Moslems und anderen Gruppen gebraucht. Entsprechend der politisch getrommelten Regel diskriminieren nur böse alte weiße Männer. Tatsächlich? Sarah-Lee Heinrich ist am 9. Oktober 2021 zur Bundessprecherin der deutschen Grünen gewählt worden. Folgende Sätze hat sie über Twitter verbreitet: „Diese Tunte soll ihr Maul halten“; „Deine Schuhe sind schwul, meine Schuhe sind teuer“; „Diese Fotze!“; „Nicht alle Mädchen mögen Blumen du sexistisches Schwein, ich will dich verbrennen, alle Männer sind Scheiße“. Jeder nichtlinke weiße Europäer, der solche Sätze verbreitete, würde einem Facebook/Twitter/Instagram-Lynchmob zum Opfer fallen. Sarah-Lee Heinrich hat einen dunkelhäutigen Elternteil, außerdem ist sie eine Grüne. Na dann!
Lehrpläne
Die Forderung, „die Lehrpläne der Schulen sind zu entrümpeln“ war früher in Mode. Niemals hat man von diesen „Experten“ jedoch zu hören bekommen, welche Lehrpläne gemeint waren, und was konkret zu entrümpeln sei. Mindestens genauso oft war und ist von einer „Entlastung“ der Schüler die Rede, und die kam tatsächlich. Das Aufzählen der echten Schultage, also der Tage, an denen Schüler in die Schule gehen, bringt ein erstaunliches Ergebnis. In den Sechziger- und Siebzigerjahren besuchten Schüler noch an knapp 70% aller Tage die Schule. Dann kamen der Reihe nach „Energieferien“, schulautonome Tage, Herbstferien, Zwickeltage, Projektwochen und freie Samstage. Heute besuchen die Schüler nur noch an weniger als 50% aller Tage (!) im Jahr die Schule, was dazu geführt hat, dass Jugendliche aus bildungsnahen Haushalten im Vorteil sind. Jede Schulreform würde diese – Achtung Wieselwort – Ungerechtigkeit nur noch verstärken. „Bildungs-Ungerechtigkeit“ durch politisch verordnete Entlastung, wer hätte das gedacht!
Kritik an der Justiz
Staatsanwälte und Justizwachebeamte sind Angestellte, die dem Justizminister unterstellt sind. Der jeweilige Minister ist weisungsbefugt. Beamte des Innenministeriums (Polizei), des Unterrichtsministeriums (Lehrer), des Verteidigungsministeriums (Soldaten) und andere Staatsbedienstete sind genauso wie alle Staatsanwälte von einem Ministerium abhängig. Die „unabhängige Justiz“ westlicher Demokratien besteht aus Richtern, und nur aus Richtern. Es ist daher erlaubt, Polizisten, Lehrer, Soldaten, Staatsanwälte und sogar Richter zu kritisieren. Ob zu Recht oder nicht, ist eine andere Frage. Wenn der Herr Bundespräsident und gewisse Oppositionspolitiker jammern, dass es unerhört sei, die „unabhängige Justiz“ zu kritisieren, so liegen sie zu hundert Prozent falsch, denn Kritik ist das Salz jeder Demokratie. „Maul halten!“ ist das erste Gebot in Diktaturen. Die österreichische Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft ist seit ihrer Gründung durch so viele Fehler aufgefallen, dass Kritik an dieser Behörde selbstverständlich erlaubt sein muss, ja sogar notwendig ist.
Integration und Bereicherung
Gegen Ende des 20. Jahrhunderts war der „Gastarbeiter“ eine aussterbende Art. Gab es keine Arbeit, konnten die Leute eine Zeitlang vom Arbeitslosengeld leben, dann musste die Heimreise angetreten werden. Heute ist die Situation anders. Nicht wenige Ausländer kommen nicht nach Schweden, Deutschland und Österreich, weil sie sich durch harte Arbeit eine zweite Chance im Leben erhoffen, sondern weil die Länder (noch) wohlhabend und edelmütig gegenüber Zuwanderern sind. Da gewisse Defizite vieler (nicht aller) Migranten im Lauf der Zeit immer sichtbarer wurden, tauchten zwei neue Ausdrücke auf: Integration und Bereicherung. Bei letzterem Wieselwort weiß bis heute niemand, was damit gemeint ist, denn ungelernte Analphabeten und ihre Großfamilien sind keine Bereicherung der Arbeitswelt.
Die rührendsten Wieselwörter sind „sozial“, „gerecht“, „demokratisch“, „gleich“ und „nachhaltig“. Jeder kann sie unterschiedlich verwenden, deuten oder mit imaginärer Wichtigkeit befüllen, um in der Folge von angelernten Intellektuellen beklatscht zu werden. Besonders häufig verwendete Begriffe wie „gerecht“ und „Gerechtigkeit“ liegen bereits so nahe am politisch korrekten Hintergrundrauschen, dass sie kaum noch wahrgenommen werden. Die schludrigsten Wieselwörter sind „nachhaltig“ und „klimaneutral“. Nachhaltig und klimaneutral ist heute alles, was so bezeichnet wird. Die konkrete Bedeutung ist längst egal.
Kommentare
Sehr guter Kommentar
Einfach krank dieser Kommentar!
Entbehrt jeder Logik, welche Erfahrungen muß der Verfasser durchmacht haben um so eine schräge und verächtliche Denkweise sein eigen zu nennen?
Wittgenstein schau oba!
Jedenfalls fehlt auch “Rassismus”. Das Wort darf nämlich nur verwendet werden, wenn sich eine Person aus Afrika angewidert fühlt. Nicht aber, wenn sich ein Einheimischer anhören muss: “Du Scheißösterreicher, das ist jetzt unser Land”. Rassismus ist es auch, wenn vermummte Frauen andere beschimpfen und dann böse angesehen werden, weil sie sich als Kopfbetuchte ausgrenzen. Und gar einem Moslem zu sagen, er solle sich benehmen, ist der ärgste Rassismus – gegen die Rasse der Moslems, laut Hafez ein todeswürdiges Verbrechen.
Das momentan am häufigsten gebrauchte Wieselwort fehlt noch: Moral. Mit diesem Gummibegriff wird alles erschlagen, was Linken nicht passt, ohne dass er jemals näher erklärt wird.
Super Kommentar – wie immer sehr lesenswert. Weiter so!
Ich kann nur mich wiederholen:
Sprache und Schule zu verändern, gehörte schon immer zu den beliebtesten Tätigkeiten der neuen herrschenden Klasse, die eine neue Gesellschaft und einen neuen Menschen formen wollten.
Ist das erledigt, bestimmen sie alleine, WIE und WAS gesagt werden darf.
Frage. warum wurde mein Beitrag gelöscht?
Ein anderes häufig verwendetes “Wieselwort” ist bürgerlich. Die ÖVP verwendet diesen Begriff der nichts aussagt, um ihre Grossspender zu adressieren.
Von Scott Adams abgekupfert?
Dilbert and the Way of the Weasel: A Guide to Outwitting Your Boss, Your Coworkers, and the Other Pants-Wearing Ferrets in Your Life
Von Scott Adams abgekupfert?
Schon wieder ein Plagiatsjäger am Werk?
Ist der Wetterbericht auch “abgekupfert” wenn mehrere Meteorologen gleich über die gleichen Fakten berichten?
Wenn von der, insbesondere sozialistischen Kaste das Wort “Solidarität” gebraucht wird, dann bedeutet das, dass man dem kleinen Hackler noch mehr Geld wegnimmt, einen Teil sich in die eigenen Taschen steckt, den anderen Teil in ein missgewirtschaftetes System, beispielsweise in das Schulsystem, wo die ” Leerer” nur noch 20 St/Woche arbeiten und allesamt in Frühpension gehen oder in das kranke Krankensystem, wo dir Ärzte neben ihrer “Nebentätigkeit” in den Spitälern, wo der kleine Hackler so nebenbei behandelt wird, wenn überhaupt, Privat-Praxen unterhalten sowie in Privatspitälern arbeiten. Herr Prof.Öller hat Recht, man muss hinter die Worthülsen schauen, was eigentlich dahinter steckt.
Gerechtigkeit ist ein Abstraktum das beim Konkretisieren schwindet – also ungerecht wird.
Danke, eine Wohltat dieser Artikel
Vielen Dank für das Aufzeigen einiger sog. “Wieselwörter”, welche täglich durch die Medien geistern.