Brutaler Überfall nach Akademikerball: Antifa vor Gericht – und mobilisiert
Am Mittwoch startet in Graz der Prozess gegen sieben mutmaßliche Antifa-Aktivisten – angeklagt wegen schweren Raubes nach einem brutalen Überfall auf einen Besucher des Akademikerballs. Doch noch vor dem ersten Verhandlungstag mobilisiert die Szene: mit Demos, Spendenkampagne und internationaler Solidarität.
„Linke Demonstration gegen den Akademikerball in Graz (25.1.2025). Noch in derselben Nacht wurde ein Ballbesucher angegriffen und verletzt.APA/INGRID KORNBERGER
Am 7. Jänner beginnt in Graz der Prozess gegen sieben mutmaßliche Antifa-Aktivisten. Noch bevor der erste Zeuge gehört wird, macht das linksextreme Umfeld offen mobil: mit Solidaritätskampagnen, Spendenaufrufen, Demonstrationen – und wendet sich dabei ausdrücklich an internationale Gesinnungsfreunde.
Worum es in dem Verfahren geht, ist jedoch kein politisches Symbolverfahren – sondern der Vorwurf eines brutalen Überfalls.
Brutale Attacke nach dem Akademikerball
Was als festlicher Abend begann, wurde für einen 60-jährigen Besucher des Grazer Akademikerballs zum Albtraum. In der Nacht nach dem Ball Ende Jänner 2025 soll der Mann in der Grazer Innenstadt laut Anklage verfolgt und brutal angegriffen worden sein. Der Überfall ereignete sich gegen drei Uhr früh, als er gemeinsam mit seiner Ehefrau auf dem Heimweg war.
Nach bisherigen Ermittlungen soll eine siebenköpfige Gruppe dem Paar gefolgt sein. Im Bereich des Andreas-Hofer-Platzes eskalierte die Situation: Zwei Täter griffen den Mann von hinten an, rissen ihm die studentische Couleur-Kappe vom Kopf und brachten ihn zu Boden. Laut den Ermittlern blieb es nicht beim Sturz – Schläge und Tritte sollen gefolgt sein.
Schwer verletzt – Krankenhaus statt Hotel
Das Opfer erlitt schwere Verletzungen, darunter mehrere gebrochene Rippen, und musste im Krankenhaus behandelt werden. Für die Ermittler ist klar: Hier ging es nicht um eine spontane Rangelei, sondern um einen gezielten Überfall mit politischem Hintergrund.
Die weggerissene Kappe spielt dabei eine zentrale Rolle. Juristisch ist sie der Schlüssel: Gewalt plus Wegnahme – genau deshalb lautet der Hauptvorwurf schwerer Raub und nicht bloß Körperverletzung.
Sieben Tatverdächtige – Antifa-Umfeld im Visier
Die Staatsanwaltschaft ermittelte gegen insgesamt sieben Tatverdächtige, die laut Polizei und Medienberichten dem linksextremen bzw. Antifa-Umfeld zugerechnet werden. Die Gruppe soll auch im Umfeld von Demonstrationen gegen den Akademikerball aktiv gewesen sein.
Nach dem bisherigen Anklagebild gelten zwei Personen als unmittelbare Täter, fünf weitere als Beitragstäter, etwa durch Mitgehen, Absicherung oder Fluchthilfe.
Deutsche und Österreicher unter den Beschuldigten
Bei den mutmaßlichen Haupttätern handelt es sich laut Berichten um einen österreichischen und einen deutschen Staatsbürger. Insgesamt sollen mehrere Deutsche unter den Beschuldigten sein. Zwei von ihnen wurden zeitweise per europäischem Haftbefehl gesucht und stellten sich später den Behörden.
Die ersten Festnahmen erfolgten bereits Anfang März 2025. Dabei wurden unter anderem eine Frau (23) und ein Mann (25) in Graz festgenommen. Besonders brisant: Die 23-Jährige soll umfassend geständig gewesen sein.
Staatsschutz ermittelt – Videos als Schlüsselbeweis
Aufgrund des mutmaßlich politisch motivierten Angriffs übernahm das Landesamt für Staatsschutz und Extremismusbekämpfung die Ermittlungen. Als zentrale Beweise gelten Überwachungsvideos aus der Grazer Innenstadt. Zusätzlich kam es zu Hausdurchsuchungen sowie zur Sicherstellung von Mobiltelefonen und Kleidung.
Der Zugriff erfolgte teils mit erheblichem Aufwand, auch unter Einbindung von Spezialeinheiten. Genau das sorgt bis heute für politische Debatten: Während linke Aktivisten von „Überreaktion“ sprechen, verweisen Ermittler auf die Schwere der Tat und die organisierte Vorgangsweise.
Mobilmachung vor Prozessbeginn: Antifa organisiert Solidaritätskampagne
Parallel zum Strafverfahren läuft eine professionell organisierte Mobilisierung aus dem linken Umfeld. Ein eigener Instagram-Account für die Beschuldigten wurde eingerichtet, der mittlerweile mehr als 2.100 Follower zählt.
Dort wird offen dazu aufgerufen, den Prozess „solidarisch zu begleiten“ – mit geplanter Präsenz vor dem Gericht, begleitenden Demonstrationen, Soli-Veranstaltungen und Spendenkampagnen. Die Mobilisierung ist dabei nicht auf Österreich beschränkt: Zentrale Informationen werden gezielt auch auf Englisch verbreitet, um internationale Unterstützer anzusprechen.
Spenden, Demos, politisches Narrativ
Neben der Mobilmachung läuft eine offene Spendenkampagne. Laut eigenen Angaben wurden bereits mehr als 30.000 Euro gesammelt, das erklärte Ziel liegt bei 42.000 Euro. Das Geld soll für Anwälte, Therapien und sogenannte Antirepressionsarbeit verwendet werden.
In den Postings wird der Prozess nicht als Verfahren wegen Gewalt dargestellt, sondern als angebliche „Repression“ und „Kriminalisierung von Antifaschismus“. Staatsanwaltschaft und in der Steiermark regierende FPÖ werden offen attackiert, das Strafverfahren als politisch motiviert inszeniert.
Es geht um viel
Der Prozess soll nun klären, wer welche Rolle spielte – und ob es sich tatsächlich um einen koordinierten politischen Überfall handelte. Für die Angeklagten geht es um viel: Bei schwerem Raub drohen mehrjährige Haftstrafen.
Linksextreme Gewalt nimmt zu
Fest steht jedoch schon jetzt: Der Angriff auf einen Ballbesucher fällt in eine Zeit, in der Sicherheitsbehörden einen massiven Anstieg linksextremistischer Tathandlungen registrieren. In Österreich weist der Verfassungsschutzbericht für das Jahr 2024 214 linksextremistische Tathandlungen aus – ein Anstieg um rund 120 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Darunter finden sich auch Gewalt- und Körperverletzungsdelikte. In Deutschland registrierten die Behörden zuletzt 5.857 linksextremistisch motivierte Straftaten – ein Plus von knapp 38 Prozent binnen eines Jahres.
Auch beim Antisemitismus zeigen die Zahlen einen politisch brisanten Trend. Laut Israelischer Kultusgemeinde entfielen im Jahr 2024 376 von 1.520 antisemitischen Vorfällen (24,7 Prozent) auf den Bereich „links“. Im ersten Halbjahr 2025 liegt „links“ mit 202 von 726 Fällen (27,8 Prozent) erstmals an erster Stelle – noch vor „muslimisch“ und „rechts“.
Der Grazer Prozess ist damit weit mehr als ein einzelnes Strafverfahren. Er wird zum Testfall dafür, wie Österreich mit politischer Gewalt von links und mit einem Antisemitismus umgeht, der sich zunehmend im öffentlichen Raum normalisiert.
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